Gewicht & Stoffwechsel
Mounjaro, Wegovy oder Ozempic? Die Abnehmspritzen im Vergleich
Mounjaro, Wegovy und Ozempic im ärztlichen Vergleich: Wirkstoffe, Wirksamkeit und Unterschiede. Erklärt von Kardiologin Dr. Claudia Strobl, München.
Mounjaro, Wegovy und Ozempic gehören zur selben Medikamentengruppe, sind aber nicht identisch. Der entscheidende Unterschied: Mounjaro enthält Tirzepatid und wirkt auf zwei Darmhormone, während Wegovy und Ozempic den Wirkstoff Semaglutid enthalten und nur auf eines wirken. In der bislang größten Vergleichsstudie führte Tirzepatid zu einer stärkeren Gewichtsabnahme als Semaglutid. Welches Präparat sinnvoll ist, hängt jedoch vom individuellen Fall ab.
Worin unterscheiden sich die Wirkstoffe?
Semaglutid (in Wegovy und Ozempic) ist ein GLP-1-Rezeptoragonist – es ahmt ein einzelnes Sättigungshormon nach. Tirzepatid (in Mounjaro) wirkt zusätzlich auf das Hormon GIP und gilt deshalb als „dualer" Wirkstoff. Beide verlangsamen die Magenentleerung, dämpfen den Appetit und verbessern den Blutzucker – Tirzepatid jedoch über zwei Signalwege.
Was sagt der direkte Vergleich?
In der Studie SURMOUNT-5, die Tirzepatid und Semaglutid über 72 Wochen direkt verglich, verloren Teilnehmende mit Tirzepatid im Mittel rund 20 % ihres Körpergewichts, mit Semaglutid etwa 14 %. In Kilogramm entsprach das etwa 22,8 kg gegenüber 15,0 kg. Tirzepatid schnitt also deutlich stärker ab. Abbrüche wegen Magen-Darm-Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen selten.
Und Ozempic zum Abnehmen?
Ozempic ist ausschließlich zur Behandlung des Typ-2-Diabetes zugelassen – nicht zur Gewichtsreduktion. Auch wenn unter Ozempic häufig Gewicht abnimmt, ist der Einsatz allein zum Abnehmen ein „Off-Label"-Gebrauch. Für die reine Gewichtstherapie ist in Deutschland Wegovy (derselbe Wirkstoff, höhere Dosierung) zugelassen.
Welches Präparat ist das richtige für mich?
„Stärker" heißt nicht automatisch „besser für jeden". Welche Therapie passt, hängt von Ausgangsgewicht, Begleiterkrankungen, Verträglichkeit, Vortherapien und persönlichen Zielen ab. Als Kardiologin lege ich besonderen Wert darauf, die Therapie in das gesamte Herz-Kreislauf-Risikoprofil einzuordnen. Diese Entscheidung treffen wir gemeinsam.
Worauf kommt es bei der Auswahl wirklich an?
Die Wahl des passenden Präparats ist mehr als ein Blick auf die Studienzahlen. Entscheidend sind Ihr Ausgangsgewicht und Ihre Therapieziele, vorhandene Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder eine Fettstoffwechselstörung sowie die individuelle Verträglichkeit. Auch praktische Aspekte spielen eine Rolle: Beide Wirkstoffe werden einmal wöchentlich gespritzt, doch Verfügbarkeit, Handhabung des Pens und Kosten können sich unterscheiden. Wichtig ist außerdem, dass die Therapie nicht isoliert betrachtet wird. Eine Abnehmspritze entfaltet ihren Nutzen nur zusammen mit einer angepassten Ernährung, mehr Bewegung und – bei Herz-Kreislauf-Risiken – einer kardiologischen Begleitung. Aus meiner Sicht als Kardiologin ist gerade dieser Gesamtblick zentral: Wer abnimmt, verbessert oft gleichzeitig Blutdruck, Blutzucker und Blutfette, was sich positiv auf das Herz auswirkt. Deshalb wähle ich das Präparat nicht nach dem Prinzip „so stark wie möglich", sondern danach, was für Ihre Gesundheit insgesamt am sinnvollsten und am besten verträglich ist – und passe es im Verlauf an, falls sich Ihre Situation ändert.
Häufige Fragen
- Ist Mounjaro besser als Wegovy?
- In der Vergleichsstudie führte Tirzepatid zu mehr Gewichtsverlust. „Besser" für den Einzelfall hängt aber von vielen individuellen Faktoren ab.
- Kann ich zwischen den Präparaten wechseln?
- Ein Wechsel ist möglich, sollte aber immer ärztlich begleitet und begründet sein.
- Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
- In Deutschland werden diese Medikamente zur Gewichtsreduktion in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet. Wir klären das transparent.
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Mounjaro und andere genannte Medikamente sind verschreibungspflichtig und dürfen nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden.