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Kardiologie

Vorhofflimmern: Symptome erkennen, Risiken verstehen, richtig behandeln

Vorhofflimmern erkennen: Symptome, Schlaganfall-Risiko und moderne Behandlung. Ärztlich erklärt von Kardiologin Dr. Claudia Strobl, München.

Dr. med. Claudia Strobl27. März 20262 Min. Lesezeit

Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Dabei schlagen die Herzvorhöfe schnell und unregelmäßig, statt geordnet zu pumpen. Viele Betroffene spüren Herzstolpern, Unruhe oder Luftnot – andere bemerken nichts. Das größte Risiko ist der Schlaganfall, denn im flimmernden Vorhof können sich Blutgerinnsel bilden. Erkannt und behandelt lässt sich dieses Risiko jedoch deutlich senken.

Wie erkenne ich Vorhofflimmern?

Typisch sind unregelmäßiges Herzklopfen, Herzrasen, ein Druckgefühl in der Brust, Schwindel, Müdigkeit oder Luftnot bei Belastung. Wichtig: Vorhofflimmern kann auch völlig symptomlos verlaufen und wird dann zufällig entdeckt. Treten solche Beschwerden auf, sollte zeitnah ein EKG erfolgen.

Warum ist Vorhofflimmern gefährlich?

Wenn die Vorhöfe nicht mehr richtig pumpen, kann das Blut stocken und gerinnen. Löst sich ein Gerinnsel, kann es ins Gehirn gelangen und einen Schlaganfall auslösen. Deshalb ist die Einschätzung des individuellen Schlaganfallrisikos – etwa mit dem CHA₂DS₂-VASc-Score – ein zentraler Teil der Behandlung.

Wie wird Vorhofflimmern festgestellt?

Die Diagnose erfolgt über ein EKG. Da das Flimmern oft nur zeitweise auftritt, sind Langzeit-EKGs über 24 Stunden oder mehrere Tage hilfreich. Auch moderne Smartwatches können erste Hinweise liefern – ersetzen aber keine ärztliche Abklärung. Ergänzend gibt eine Herz-Ultraschalluntersuchung (Echokardiografie) Aufschluss über die Herzstruktur.

Wie wird behandelt?

Die Behandlung steht auf drei Säulen: Erstens der Schlaganfallschutz, meist mit modernen blutverdünnenden Medikamenten (DOAK). Zweitens die Kontrolle des Herzrhythmus oder der Herzfrequenz mit Medikamenten. Drittens, in geeigneten Fällen, die Katheterablation, bei der die auslösenden Areale im Vorhof gezielt verödet werden. Ebenso wichtig ist die Behandlung von Begleitfaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Schlafapnoe.

Welche Formen gibt es – und warum ist frühes Handeln wichtig?

Vorhofflimmern verläuft unterschiedlich. Beim paroxysmalen Vorhofflimmern treten die Episoden anfallsartig auf und enden von selbst, beim persistierenden halten sie länger an und müssen aktiv beendet werden, beim permanenten besteht das Flimmern dauerhaft. Häufig beginnt es mit seltenen, kurzen Episoden und nimmt über die Zeit zu – das Herz „gewöhnt" sich gewissermaßen an den Rhythmus. Genau deshalb ist frühes Handeln wichtig: Wird Vorhofflimmern früh erkannt und behandelt, sind die Aussichten, einen stabilen Rhythmus zu erhalten, deutlich besser. Studien zeigen, dass eine frühzeitige Rhythmuskontrolle Folgeereignisse verringern kann. Ebenso entscheidend ist die Behandlung der Auslöser: Bluthochdruck, Übergewicht, Schlafapnoe, Schilddrüsenerkrankungen oder übermäßiger Alkoholkonsum können Vorhofflimmern begünstigen. Wer diese Faktoren angeht, verbessert die Erfolgsaussichten jeder Therapie spürbar. Bei neu aufgetretenem, unregelmäßigem Herzschlag lohnt sich daher eine zeitnahe Abklärung – auch dann, wenn die Beschwerden von selbst wieder verschwunden sind. Denn was nicht erkannt wird, kann auch nicht geschützt werden.

Häufige Fragen

Ist Vorhofflimmern lebensgefährlich?
Es ist nicht unmittelbar lebensbedrohlich, erhöht aber unbehandelt das Schlaganfall- und Herzschwäche-Risiko deutlich.
Kann eine Smartwatch Vorhofflimmern erkennen?
Sie kann Hinweise geben, ersetzt aber keine ärztliche Diagnose per EKG.
Muss ich dauerhaft Blutverdünner nehmen?
Das hängt vom individuellen Schlaganfallrisiko ab und wird ärztlich festgelegt.

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Mounjaro und andere genannte Medikamente sind verschreibungspflichtig und dürfen nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden.