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Kardiologie

Cholesterin, Lp(a) und Entzündung: Die unterschätzten Risikofaktoren für den Herzinfarkt

Über LDL hinaus: Warum Lipoprotein(a) und Entzündung wichtige Risikofaktoren für den Herzinfarkt sind – erklärt von Kardiologin Dr. Claudia Strobl, München.

Dr. med. Claudia Strobl13. März 20262 Min. Lesezeit

Der Herzinfarkt entsteht durch Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen (Atherosklerose). Der bekannteste Treiber ist das LDL-Cholesterin – doch die moderne Kardiologie blickt zunehmend auf zwei weitere Faktoren: das Lipoprotein(a), kurz Lp(a), und stille Entzündungsprozesse in der Gefäßwand. Beide werden in der Routine oft übersehen, können das Infarktrisiko aber deutlich erhöhen.

LDL-Cholesterin: der bekannte Treiber

LDL-Cholesterin lagert sich in den Gefäßwänden ab und bildet Plaques. Je höher das LDL und je länger die Belastung, desto größer das Risiko. Die gute Nachricht: LDL lässt sich durch Lebensstil und – wenn nötig – Medikamente (z. B. Statine) sehr wirksam senken. Die Zielwerte richten sich nach dem persönlichen Gesamtrisiko.

Lp(a): der genetische Risikofaktor

Lipoprotein(a) ist ein cholesterinähnliches Partikel, dessen Spiegel zu einem großen Teil in den Genen festgelegt ist – Ernährung und Statine beeinflussen es kaum. Etwa 20 % der Menschen haben erhöhte Werte und ein dadurch erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, oft ohne es zu wissen. Deshalb empfehlen Fachgesellschaften, Lp(a) mindestens einmal im Leben zu bestimmen. Aktuell gibt es noch kein zugelassenes Medikament, das gezielt Lp(a) senkt – mehrere vielversprechende Wirkstoffe werden derzeit in großen Studien geprüft, erste Ergebnisse werden ab 2026 erwartet. Bis dahin gilt: Wer ein hohes Lp(a) hat, sollte alle anderen Risikofaktoren besonders konsequent senken.

Entzündung: das versteckte Risiko

Atherosklerose ist auch eine Entzündungserkrankung. Selbst bei gut eingestelltem Cholesterin kann eine stille Entzündung in der Gefäßwand das Risiko erhöhen – messbar etwa über den Entzündungsmarker hs-CRP. Inzwischen gibt es erste entzündungshemmende Ansätze (z. B. niedrig dosiertes Colchicin), die das kardiovaskuläre Risiko in Studien senken konnten.

Was bedeutet das für Sie?

Ein modernes Risikoprofil schaut über das Standard-Cholesterin hinaus. In meiner Sprechstunde ordne ich LDL, Lp(a) und Entzündungswerte gemeinsam ein – und leite daraus eine individuelle Strategie ab.

Wie läuft eine moderne Risikoabklärung ab?

Eine zeitgemäße Einschätzung des Herzinfarkt-Risikos beginnt mit einem ausführlichen Gespräch über Ihre Vorgeschichte und familiäre Vorbelastung. Es folgt eine Blutuntersuchung, die über das Standard-Cholesterin hinausgeht: Neben LDL und HDL bestimmen wir die Triglyzeride, einmalig das Lipoprotein(a) und bei Bedarf den Entzündungsmarker hs-CRP. Ergänzend geben Blutdruck, EKG und – wenn sinnvoll – eine Echokardiografie ein genaueres Bild. Aus diesen Bausteinen ergibt sich Ihr persönliches Gesamtrisiko, das deutlich aussagekräftiger ist als ein einzelner Laborwert. Daraus leiten wir gemeinsam eine Strategie ab: Bei niedrigem Risiko stehen Lebensstil und regelmäßige Kontrollen im Vordergrund. Bei erhöhtem Risiko – etwa durch ein hohes Lp(a) – senken wir die beeinflussbaren Faktoren konsequenter, vor allem das LDL-Cholesterin, und legen engmaschigere Kontrollen fest. Das Ziel ist nicht, möglichst viele Werte zu behandeln, sondern Ihr individuelles Risiko spürbar und nachhaltig zu senken – mit einem Plan, den Sie verstehen und im Alltag umsetzen können.

Häufige Fragen

Kann ich Lp(a) durch Ernährung senken?
Kaum. Lp(a) ist überwiegend genetisch bestimmt. Umso wichtiger ist es, die anderen Risikofaktoren zu optimieren.
Wie oft muss Lp(a) gemessen werden?
In der Regel reicht eine einmalige Bestimmung im Leben.
Woran erkenne ich eine Gefäßentzündung?
Sie verursacht meist keine Symptome. Marker wie hs-CRP können Hinweise geben.

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Mounjaro und andere genannte Medikamente sind verschreibungspflichtig und dürfen nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden.